Kirche im Abbruch?

Kürzlich konnte man lesen, dass jeder 4. Katholik mit dem Gedanken spielt, die Kirche zu verlassen – erstaunt das: Nein! Schaut man in die Gottesdienste, sind die sowieso schon nicht mehr da. Als Grund werden immer wieder die Missbrauchsfälle genannt. Es gibt aber noch genügend andere Gründe unzufrieden zu sein.

Natürlich sind Missbrauchsfälle generell eine menschliche Katastrophe und innerhalb der Kirche, die sich ja als moralische Instanz sieht, sowieso. Dass dann viele, die mittelbar oder auch nur am Rande betroffen sind, die Kirche verlassen, ist mehr als verständlich und nachvollziehbar.

Mit der Kirche unzufrieden zu sein heißt nicht, am Glauben zu zweifeln, aber diejenigen, die die Kirche vertreten, bringen auch noch den Gutwilligsten zum Verzweifeln.

Die rückläufigen Zahlen der Priester (aus welchen Gründen auch immer) bescheren uns Zusammenschlüsse von vielen Pfarreien zu großen Pfarrverbänden. Wenn man nun liest, dass im ältesten Bistum Trier ehemals 887 Pfarreien zu 172 Pfarreien-Gemeinschaften zusammen geschlossen wurden und ab 2020 es nur noch 35 Gemeinschaften sein sollen, dann fasst man sich doch an den Kopf und kann es kaum glauben. Die Gläubigen sollen dann kreisum mal da und mal da in die Kirche gehen. Und dieser sonntägliche Wanderzirkus wird den Menschen noch als „Pfarreien der Zukunft“ verkauft. Damit treibt man sie doch erst recht aus der Kirche und werden „heimatlos“.

Die Gemeinde vor Ort, in der die eigentliche Glaubens-Seelsorge stattfinden soll, wird wegen Personalmangel aufgegeben. Und warum das ganze, weil die Oberen der Kirche nicht wollen, dass z. B. Pastoralreferenten Priester werden dürfen (Zölibat), Frauen weder Diakoninnen bzw. Priesterinnen werden können. Die bisherigen Machtstrukturen der Kirche müssten ja aufgegeben werden bzw. die Männer wären nicht mehr unter sich.

Und schlussendlich hat man in den letzten Jahren noch mitbekommen, wie die ganz Oberen im Vatikan miteinander umgehen als hätten sie die Evangelien überhaupt nicht gelesen. Zum Glück hat der gegenwärtige Papst den Mumm, aufzuräumen und selbstherrliche Posteninhaber zu entfernen – auch wenn das nicht immer so schnell geht, wie auch er es sich vielleicht wünscht.

Und so ein Papst, der weg vom Pomp hin zu einer glaubwürdigen Kirche im Sinne des Evangeliums will, sollte doch von all seinen Mitarbeiter unterstützt werden; aber nein, viele greifen ihn an und am Liebsten würde man in noch entmachten.

Ja, und dann beklagt man sich, dass viele zu dieser Kirche nicht mehr gehören wollen – verständlich. Nicht alle haben die Glaubenskraft oder den langem Atem um zu sagen, auch diese Probleme gehen einmal vorüber.

Bild: privat