Kirchenaustritte – macht bald der Letzte das Licht aus?

Noch nie gab es so viele Austritte aus den beiden christlichen Kirchen wie 2019. Allein in Baden-Württemberg verabschiedeten sich rund 82.000 Personen aus beiden Kirchen und, da wird man stutzig, am meisten sind die Alten gegangen, die doch sonst der Kirche die Stange halten. Da darf man ja gespannt sein, wie es 2020 aussieht, dem Corona-Jahr, in dem viele nicht mehr in die Kirche durften. Das „nicht in Kirche gehen“ wurde fast schon normal, wie bei Schülern, die ohne Schule auch recht gut auskamen.

Ok, auch die Kirche wurde wie alle anderen von Corona überrascht und hatte versucht, das Beste daraus zu machen. Entgegen den Schülern, die wiederkommen müssen, bleibt es dem Kirchenvolk überlassen, wieder zu kommen oder nicht. Und viele haben gemerkt, das Leben läuft auch ganz gut ohne Kirchgang und dem drumherum.

Viele, bei denen der Faden zur Kirche sowieso bereits kurz vor dem Abreißen ist, werden ihn reißen lassen. Sie werden auch nicht aufgehalten sich zu entfernen, es wird sie keiner ansprechen warum und wieso. Es gibt auch keinen in der Kirche bzw. Gemeinde der sich bemüßigt fühlen würde, die Leute wieder einzufangen.

Warum? Es gibt zu wenig pastorales Personal für echte Seelsorge. Das gab es zwar bisher auch nicht, würde aber in dieser Zeit dringend gebraucht und zukünftig noch viel mehr.

Auch die Politik in Berlin hat vor Corona vieles versäumt bzw. schleifen lassen – wenn man nur an die Bildungspolitik oder Digitalisierung denkt. Man hat aber den Eindruck, dass sie alle aufgewacht sind und Versäumtes nachholen wollen, damit es in Zukunft besser läuft.

Hat man das schon von den Kirchen gehört? Besonders die katholische Kirche, erstarrt in alten Strukturen, wird es in absehbarer Zeit nicht schaffen auf die steigenden Kirchenaustritte zu reagieren. Hierzu braucht man den Mut Neues zu wagen, z. B. Frauen in Weiheämtern einzubinden, verheiratete Männer Priester werden zu lassen. Eben viele weitere Menschen aus dem normalen Leben, die die Wankenden überzeugen können, in dieser Gemeinschaft zu bleiben und sich vielleicht erneut selbst einzubringen. Zum Wohle für sich und für andere.

Corona hat uns schon verändert und wird uns zukünftig nachhaltiger beeinflussen als wir es uns Moment vorstellen können. Wäre es nicht schön, wenn sich nicht nur die Politik auf die Zukunft einstellt, sondern auch die christlich Kirchen.

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