Ryoan-ji – in der Ruhe liegt die Kraft

In der Ruhe liegt die Kraft, heißt es so schön und man denkt, wenn das nur so einfach wäre. Gerade jetzt im oder noch vor dem Urlaub. Alles muss noch vorher erledigt werden als gäbe es kein danach. Im Urlaub ist auch nicht nur Ruhe angesagt, da müssen diese oder jene Aktivitäten unternommen werden. Und nach dem Urlaub, bis man alles wieder auf der Reihe hat ist man schon wieder urlaubsreif.

Bild: privat

Diese Gedanken gingen mir Europäer durch den Kopf als ich in der Anlage des Ryoan-ji – Tempels saß und mir die Anlage, mit einer Mauer eingefasst, ansah. Und wenn ich schreibe „ansah“, dann ist das schon typisch europäisch. „Was gibt es hier zu sehen“, der Satz aller Touristen auf der Welt. Wenn ich nur ansehe, gibt es keine Tiefe und nach schon kurzer Zeit sagt man: War´s  das jetzt eigentlich?

Im Garten des Ryoan-ji – Tempel gibt es eigentlich nicht viel zu sehen oder zu finden und das ist schon das wichtigste. Der Garten, wenn ich das mal so sagen darf, dient dazu , sich selbst zu finden. Übersetzt heißt der Tempel auch: Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachens. Keine Bäume, nur 15 Steine, im Zen-Stil, der ja für uns sowieso schon sehr nüchtern wirkt, um 1500 angelegt.

Um die Steine herum Kies, geharkt, in einer Richtung, wie fließendes Wasser, was es auch versinnbildlichen soll. Wenn zig Touristen rumtrampeln kommt man natürlich nicht zum Nachdenken. Wenn man Glück hat ist man aber fast allein und dann spürt man einen kleinen Hauch davon, welche Wirkung so ein Garten hätte, hätte man mehr Zeit.

Die großen Steine, könnten wir sein. Der geharkte Kies der Strom der Zeit, der Strom des Lebens. Stehen wir wie ein Fels in der Brandung unseres Lebens oder schwimmen wir mit? Oder ist uns schon alles davon geschwommen? Faszination des Einfachen, Schlichten. Weglassen ist mehr als dazu tun.
Letzlich ist man doch berührt, wenn man diesen Garten wieder verlässt.